Tag 6 unserer Reise ist nun fast vorbei – wir sitzen hier in Mũi Né in einem kleinen Gästehaus auf unserem Bett und schreiben. Katharina ihr Reisetagebuch und ich diesen Blogpost bei einer kühlen Flasche „Saigon Bia“.

Vietnam ist der Wahnsinn – das Leben, die Leute, die Offenheit und Hilfsbereitschaft. Echt der Knaller. Sicher – hier und da stößt man auf diejenigen Vietnamesen, die es im Grunde nur auf das Geld der Touristen abgesehen haben – aber alle anderen Erlebnisse wiegen das wieder auf.

Doch nun zu unserem Roadtrip. Wir hatten uns vorgenommen, einen Teil des Landes auf zwei Rädern zu erkunden, um so ungebunden von öffentlichen Verkehrsmitteln zu sein und es im Grunde den Vietnamesen ein wenig gleich zu tun – denn hier bewegt sich so gut wie alles auf zwei Rädern und es wird auch alles auf zwei Rädern transportiert.

Nach unserem Ausflug ins Mekong Delta waren wir also auf der Suche nach einem Fortbewegungsmittel mit zwei Rädern und Motor. In Vietnam gibt es nur sehr wenig, was mehr als 125ccm unter der Haube hat, so fiel die Wahl auf einen Klassiker – die Honda Win 110.  Als ich vor dem Hotel auf meine eigentliche Verabredung – einen anderen Backpacker mit eben solchem Gefährt wartete, machte ich die Bekanntschaft mit Phuong – einem netten älteren Vietnamesen, der gemütlich rauchend auf seinem Moped vor dem Hotel rumsaß. Wir unterhielten uns – er erzählte, dass er hin und wieder Touristen durch Saigon fährt und die Sehenswürdigkeiten zeigt. Sein Gästebuch mit Referenzen in allen Sprachen war beeindruckend. Ich erzählte ihm von unserem Vorhaben und er sagte auch gleich – eine Honda Win wäre genau das, was wir bräuchten. Er kenne jemanden, der diese für 200 US Dollar verkauft.

Da meine Verabredung nicht auftauchte, ließ ich Katharina wartend im Hotel zurück und fuhr mit Phuong quer durch die Stadt zu seinem Bekannten. Die dort angetroffene Honda Win hatte rein äußerlich gesehen die besten Tage hinter sich. Das war jedoch bei allen anderen, welche wir vorher gesehen hatten, genauso. Ich fuhr sie Probe, obwohl sie nun doch 300 USD kosten sollte. Am Ende handelten wir noch 260 aus und ich nahm die Kiste mit. Laut Aussage des Händlers war ja auch alles neu gemacht worden – Motor, Zündkerze, die Kette wurde für mich noch geölt. Nun gut – mal sehen.

Am Hotel angekommen, versuchten wir zunächst die beiden Rucksäcke auf das Teil zu bringen. Das gelang auch – jedoch war das Moped nun unfahrbar, da zuviel Gewicht oben rumschaukelte. Ein weiterer Vietnamese fuhr zufällig vorbei, sah das Spektakel und sagte: „Das klappt nie!“ Ich kenne jemanden, der da ein vernünftiges Gepäcksystem dran baut. Gesagt getan – ich fuhr dem guten Mann hinterher – drei Straßen weiter waren wir bei seinem Onkel in der Werkstatt.

sebastiantimmel_vietnam_roadtrip_sgnmuine1Eine Stunde später hatten wir für 25 USD ein wundervolles Gepäcksystem am Moped, was bisher tadellos funktioniert und hält. Man kann es sogar hochklappen, so dass man ohne Gepäck nicht die Breite eines Kleinlasters hat.

Wir machten uns dann am nächsten Tag (denn nun war es inzwischen schon zu spät zum Losfahren geworden) auf den Weg an die Küste nach La Gi.  Nach ca. 2 Stunden Fahrt und 45 zurückgelegten Kilometern machte es plötzlich „PENG“ und unser Ungetüm auf zwei Rädern war still. Am Straßenrand angehalten, sah ich, dass die Zündkerze samt Kabel rausgeflogen war – mit Motorradhandschuhen bewaffnet, versuchte ich sie wieder rein zu schrauben. Ein neuer Startversuch und – PENG!

Wir schauten uns um und siehe da – es hat genau neben einer Werkstatt PENG gemacht. Ich ging mit der Zündkerze bewaffnet dort hin, zeigte das angerostete „NEUE“ Ding einem ca. 13 jährigen Jungen und machte eine Geste und sagte „PENG“. Nachdem wir das Moped zu im geschoben hatten, versuchte er, die neue Zündkerze einzusetzen – es stellte sich heraus, dass aus irgendeinem Grund das Gewinde unseres Motors „im A***“ war. Reparaturversuche mit zerschnittenen Cola-Dosen brachten auch keine Erfolge – beim Startversuch flog die Kerze durch den Druck wieder raus.

Einzige Lösung: Ein neuer Zylinder musste her!

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Eine Stunde später und um 26 USD ärmer konnten wir unsere Fahrt fortsetzen. Der junge Mechaniker hatte ganze Arbeit geleistet und unser Gefährt wieder Leben eingehaucht.

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Aufgrund der Verzögerung kamen wir erst in der Dunkelheit in La Gi an. Nette ältere Vietnamesen auf dem Moped (wo auch sonst) zeigten uns den Weg zum nächsten Hotel. Dort konnten wir für 9,40 USD nächtigen – ohne das extra im Zimmer bereitgestellte Wasser versteht sich. Denn dafür wollte die gute Dame am kommenden Morgen unverschämt viel Geld haben. (Wir dachten, das wäre inklusive, da in der Minibar ja auch noch etwas war.) Katharina ließ sie wissen, dass es zu viel Geld war, gab ihr 0,04 USD und meinte, das wäre genug. Nun gut – dafür konnten wir aber unser Moped im Hotelfoyer parken. Klasse :)

Hier noch ein paar Impressionen von La Gi – es gibt hier wohl eine Art Mini-Vergüngungspark. Dieser war für einen Montag erstaunlich gut besucht.

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Direkt nebenan übten sich Schüler in einer Kampfkunst.

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Gegenüber wurde gebetet – sehr faszinierend.

sebastiantimmel_vietnam_roadtrip_sgnmuine6Am nächsten Tag machten wir uns auf nach Mũi Né. Auf diesem Bild: Kuh und Gans, Mini-Storch, whatever?!

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Während Katharina begeistert Drachenfrüchte und die dazugehörigen Gewächse fotografierte, machte ich die Bekanntschaft eines netten Feldarbeiters mit ganzen zwei Zähnen! Als er Katharina sah, redete er noch aufgeregter in vietnamesischer Sprache , zeigte auf uns beide und anschließend auf ein kleines Kind, welches auf dem Fahrrad vorbeifuhr… Nun ja – die Deutung dessen überlasse ich jedem selbst – ich hab ja schließlich nichts verstanden :).

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Auf dem Weg hielten wir am ältesten Leuchtturm Vietnams und trafen ein paar nette Fischer, die gerade dabei waren, ihre Netze zu flicken.

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Weiter gings…

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In Mũi Né angekommen, kämpften wir uns an den wie aus dem Erdboden sprießenden Hotel Resorts vorbei hin zu einer Reisküche, um unseren Hunger zu stillen. Im Anschluss fanden wir ein wenig außerhalb ein nettes Zimmer in einem gemütlichen Gästehaus für 10 USD.

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Neben schicken neugebauten Hotel Resorts gibt es dann auch immer mal wieder eine schicke Bauruine.

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Friedhof mal anders – hier gibt es Gräber überall. Auf Hinterhöfen, auf Reisfeldern und eben hier.

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Mũi Né ist bekannt für seine Sanddühnen – wir machten uns auf den Weg…

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35 Kilometer weiter, nach Sand und Schotterpisten (die Freude eines jeden Motorradfahrers und Katharinas), waren wir endlich da.

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Morgen geht’s nach ein mal Kette fetten und Öl wechseln weiter Richtung Da Lat – mal schaun‘ ob wir ankommen :)

3 Gedanken zu „Roadtrip Saigon nach Mũi Né

  1. Hey ihr beiden!
    Tolle Bilder!
    Da kommen ja Erinnerungen wieder hoch.
    Die 125ccm steht noch in der Garage.
    Soll ich sie schicken ;)

    Bleibt schön gesund und genießt die Zeit.
    Aber das macht ihr ja!

    Grüße aus HH.
    P.S. Das erste Gespräch war sehr gut und erfolgsversprechend!

  2. Tolle Bilder und die Beschreibungen der Eindrücke klingen so, dass bisher alles richtig läuft (abgesehen vom Zylinder :o). Das Moped sieht nach enger Zweisamkeit aus. Weiterhin eine tolle Zeit und nur das Beste!
    Martina

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