Wenn man sich die vietnamesischen Touranbieter anschaut, gibt es im Grunde nur drei Touren – eine ins Mekong (check!), eine in die Ha Long Bucht sowie die nach Sapa.

Der Lonely Planet sowie Berichte im Internet ließen für Sapa, abgesehen von Reisterrassen, nicht viel Gutes erhoffen. Der Tourismus ist hier sehr präsent, man wird von den dort ansässigen Frauen nicht in Ruhe gelassen.

Aus diesem Grunde nahmen wir uns fest vor, das Gebiet weiträumiger zu erkunden. Wir buchten also den Nachtzug nach Lao Cai, einem Ort direkt an der chinesischen Grenze. Da wir von Hue nach Hanoi ja die softsleeper Betten der Nachtzüge getestet hatten, dachten wir, wir gehen auf`s Ganze, sparen ein paar Dollar und schlafen wie die Einheimischen im 6-Bett hardsleeper Abteil. Nach einer zusammengefalteten Nacht auf einer dünnen Matte, welche wiederum direkt auf der Spanplatte lag, entfalteten wir uns in Lao Cai angekommen wieder.

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Nach einem kleinen Frühstück ging es dann auf die Suche nach einem fahrbaren Untersatz mit zwei Rädern. Das gestaltete sich in diesem komischen Ort jedoch als schwierig, so dass wir uns für den lokalen Bus entschieden. Ziel war Bac Ha – hier wurde beschrieben, dass der Massentourismus noch nicht angekommen sei und es eine gute Basis für Wanderungen ist.

Busfahren hierzulande ist ein Erlebnis. Der Bus befördert nicht nur Menschen – hier wird alles transportiert, was von A nach B muss. Lebensmittel, Baumaterial, ungekennzeichnete Ware in Säcken und Kisten – zu gleicher Zeit trägt der Fahrer auch noch Briefe aus, läd hier Fahrgäste ein, fährt da hin, um sie wieder rauszulassen. Jede Transaktion ist selbstverständlich mit einer kleinen bis mittellangen Pause verbunden – denn es muss ja noch gequatscht und Geld eingesammelt werden. So zieht sich eine Busfahrt ganz schön. Getoppt wird das Ganze dann allerdings von der vietnamesischen Dudelmusik, die, egal ob von Mann oder Frau gesungen wird, doch irgendwie gleich klingt. Wahrscheinlich die vietnamesischen Schlager – wer weiß.

In Bac Ha angekommen, suchten wir uns ein Zimmer, Mittagessen in einer Straßenküche (völlig überteuert für vietnamesische Verhältnisse) und im Anschluss war eine kleine Wanderung angesagt.

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Bac Ha wird mehrmals am Tag durch einen Lautsprecher auf einen der Berge beschallt. Los geht`s morgens um 6 Uhr mit Nachrichten und Propaganda für die Bergbevölkerung. Spätestens dann ist man auch wach! Da wir nicht viel mehr in Bac Ha unternehmen konnten, entschieden wir nur eine Nacht zu bleiben, um doch noch Sapa zu erleben.

Als wir Bac Ha am nächsten Morgen sehr früh verließen, warteten bereits vor 6 Uhr mehrere Herren mit Mopeds auf dem lokalen Platz auf etwas. Nach und nach trudelten die Frauen aus den Bergdörfern mit ihren Waren ein – Obst, Gemüse, Fleisch…. Alles wurde auf`s Moped umgeladen und nun – so vermuten wir – zum nächsten Markt bzw. zur Suppenküche gefahren. Alles straff durchorganisiert.

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Wir fuhren mit dem Bus zurück nach Lao Cai – unterwegs fragte uns der Busfahrer irgendetwas auf Vietnamesisch. Wir verstanden nur irgendwann das Wort Sapa und nickten. Als wir irgendwo in Lao Cai angekommen waren, ging plötzlich die Bustür auf – ein vietnamesischer Junge steckte seinen Kopf (natürlich mit brennender Kippe) hinein und sagte auch nur: Sapa!

Anscheinend hatte unser Busfahrer für uns die Weiterfahrt organisiert – so funktioniert das hier oft auf magische Art und Weise. Wir klärten kurz noch den Preis und schon saßen wir im nächsten Bus, der uns nach diversen Umwegen und Stopps nach Sapa brachte.

Sapa war…. nervig. Man konnte keine 10 Meter weit gucken, so neblig war es. Da es das touristische Zentrum in der Region ist, war es voll von Frauen aus Bergdörfern, die einen in überraschenderweise exzellenten Englisch anquatschten. „What’s your name?“, „Where are you from?“, „You buy from me?“ – so ging es an jeder Ecke, in jeder Straße. Schlechte Laune trat bereits nach kurzer Zeit ein. Wir vertrieben uns also die Zeit mit Windowshopping in den diversen North Face-(Fake?)-Läden, lasen unsere Bücher und stöberten über den Markt. Am kommenden Morgen war das Wetter nicht besser – wir machten uns auf den Weg zurück nach Hanoi.

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