Geht ’ne Kuh spazieren – den zweiten Teil unserer Georgien-Reise verbrachten wir auf dem Land und auf den Straßen und teilten diese mit diversen Vierbeinern – vor allem Kühen. Nach unserer Zeit in Tbilisi wollten wir den Kaukasus erkunden und stürzten uns zunächst ins Abenteuer Nachtzug von Tbilisi nach Zugdidi. Ticket und Bahnhofsmitarbeiter können hier nur Georgisch oder Russisch – allein das Herausfinden des Abfahrtgleises stellte die erste Hürde dar. Nach einer heißen Nacht im unklimatisierten Vierer-Abteil mit 5 Insassen auf hygienisch natürlich „einwandfreien“ Matratzen und Kissen setzten wir unsere Reise von Zugdidi aus mit dem Minibus fort.

Der Minibus oder auch Marschrutka, wie die vorwiegend aus Deutschland stammenden und dort ausgemusterten Mercedes Sprinter oder Ford Transit heißen, sind hier das zentrale Fortbewegungsmittel. Nicht selten fährt man hier in einem Ex-Firmenfahrzeug eines Schreiners, Klemptners, Dachdeckers oder Elektrikers. An vielen Fahrzeugen (nicht nur den Minibussen) prangern noch stolz die grünen oder gar die ganz bösen – die gelben oder roten Umwelt-Plaketten. Wer sich also schon immer mal gefragt hat, wo die Dinger alle landen – in Georgien werden sie gefahren… bis zum bitteren Ende. Was in Deutschland wahrscheinlich nicht mehr durch den TÜV gekommen ist, wird hierzulande zur Personenbeförderung genutzt.

Wie auch immer – wir fuhren also mit unserem armeegrünen Ford Transit inklusive gebrochener Frontscheibe nach Mestia im Kaukasus. Hinter jeder Kurve lauerten neue Überraschungen – andere Marschrutkas, die einem auf der eigenen Spur entgegen kommen, riesige Steinbrocken nach kleinen Erdrutschen, zum Teil fehlende Teile der Straße, Pferde, Kühe und Esel. Die Landschaft ist atemberaubend und die Fahrt ein reiner Nervenkitzel. Wir sind heile angekommen ;-).

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Mestia ist ein auf ca. 1900m gelegener Ort im Kaukasus – angekündigt wurde uns das touristische Zentrum des Gebirges – erlebt haben wir einen kleinen Ort, wo das Leben langsam vonstatten geht. Für den Tourismus wurde hier viel gebaut. Es gibt moderne Häuser, die so gar nicht in die Landschaft passen. Außerdem wurden im Zentrum im „Alpenstil“ große Komplexe mit im Erdgeschoss befindlichen Arkaden gebaut – ob das mal ein Hotel sein sollte – wer weiß. Es wohnt größtenteils keiner drin – außer…

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… die Kühe. Irgendwer hat wohl mal die Tür offen gelassen oder ein Fenster eingeworfen – die Tiere nehmen es nun dank angenehmer Kühle als Unterschlupf für die warmen Tage in Anspruch. So etwas haben wir auch noch nie gesehen – eine Kuh im Schaufenster.

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Ich war immer noch mit einer Erkältung aus Neuseeland unterwegs – die Nasennebenhöhlen führten zu starken Kopfschmerzen. Ein netter israelischer Gast bot mir seine Hilfe an und schwupps hatte ich 4 Nadeln im Bein, 4 im Arm und eine im Kopf. Ab dem nächsten Tag wurde es besser!

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Große Wanderungen waren aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen leider nicht drin (Notiz an uns selbst – unbedingt nochmals zum Wandern in den Kaukasus fahren!). Kleine Spaziergänge waren jedoch möglich und so erkundeten wir die nähere Umgebung.

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Jede Wasserquelle wurde genutzt, um die Mütze zu wässern – man muss ja schließlich ’nen kühlen Kopf bewahren.

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Dies ist ein Bild, wie wir es zu hunderten gesehen haben – Kühe laufen hier überall alleine umher. Es wäre interessant zu wissen, wie die Besitzer ihre Tiere irgendwann mal wiederfinden – denn Sie könnten ja in den Arkaden liegen, auf der Straße in den nächsten Ort unterwegs sein oder in den Gärten der Gästehäuser grasen.

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Die Region um Mestia (Swanetien) ist vor allem bekannt durch seine Wehrtürme – in Mestia werden diese bei Einbruch der Dunkelheit beleuchtet und bieten mit den hohen Gipfeln des Kaukasus ein traumhaftes Panorama.

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Dies ist unsere Marschrutka für den Rückweg. Das Gepäck wird aufs Dach geschnallt (ungünstig, wenn es regnet, wie wir feststellen durften), der Bus vollgestopft bis auf die Reservesitze und ab geht die Fahrt nach Akhaltsikhe im Süden des Landes.

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Für die Besichtigung Akhaltsikhes blieb uns am Ende weniger Zeit als gedacht, da wir unverhofft früh einen Bus in die Türkei bekamen. Doch mehr zu dieser Geschichte im nächsten Beitrag.

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