Wir wollen anders sein – deshalb dachten wir uns, wir gehen nicht dort über die Grenze, wo alle anderen es tun. Eine weniger frequentierte Grenzstation schien uns etwas mehr Abenteuer und Herausforderung – wir hatten einen groben Plan, doch wie es so läuft im Leben – es kam anders.

Die Grenze bei Akhaltsikhe ist die kleinere der beiden derzeit offenen Grenzübergänge zwischen Georgien und der Türkei. Der Lonely Planet hatte so seine Ideen, wie man mit dem Bus hinüber fahren kann. Die Internetforen erzählten die Geschichte, dass diese Busse längst nicht mehr fahren. Wikitravel erzählte von einem Bus, der nur bis direkt hinter die Grenze fährt. Die Locals und Taxifahrer waren fester Überzeugung, es fährt überhaupt kein Bus. Lediglich eine Frau in einem Hotel neben der Busstation mit einer Englisch sprechenden Tochter konnte unsere Gemüter erhellen – der kleine Bus um 14:30 Uhr in den nächsten Ort hinter der Grenze (Posov) solle wohl fahren – morgen zumindest – die nächsten Tage… ungewiss.

Nun denn – wir beschlossen kurzerhand am nächsten Tag das Land zu verlassen – denn mit „ungewiss“ wollten wir nicht arbeiten. Am kommenden Tage besichtigten wir noch kurz die Altstadt, guckten bei der Frau vorbei und erkundigten uns nochmals. Das war eine gute Idee, denn aus 14:30 Uhr war nun schon 13:00 Uhr geworden.

Pünktlich um 13:00 Uhr stehen wir beide also mit unseren Rucksäcken auf der Matte – vom Bus weit und breit keine Spur. Nach einiger Zeit teilte uns die nette Dame mit, der Bus komme mit 20 Minuten Verspätung aus einer anderen Stadt. Nach 25 Minuten gesellte sie sich zu uns und wartete mit uns. Ihr Handy klingelte und sie sagte – noch 5 Minuten. Weitere 15 Minuten später dann die große Überraschung des Tages – sie eröffnete uns, dass der Bus nun doch bis nach Istanbul durchfährt (am Vortag gab es auch in ihrer Überzeugung keinen Bus, der von hier bis nach Istanbul fährt – die Dinge ändern sich hier halt schnell). Weitere 5 Minuten später kam ein riesiger Reisebus vorgefahren – die Frau brachte uns hin, erhielt vom Fahrer 20 Lari (wahrscheinlich als Dankeschön für 2 weitere Fahrgäste) und wir stiegen in den Bus – in diesem Moment mit der Intention bis Erzurum mitzufahren. Der Schaffnerin machten wir recht schnell klar, dass wir nicht ausreichend finanzielle Mittel dabei hatten, um das Ticket bis dorthin zu bezahlen (geplant war ja schließlich nur, bis in die nächste Stadt hinter der Grenze zu fahren) – doch kein Problem meinte sie – wir halten in der Türkei einfach an einem Geldautomaten.

Der Grenzübertritt war ein Abenteuer – alle mussten aussteigen und der Kampf ging los, wer als erster den mürrischen Grenzbeamten seinen Ausweis vor`s Gesicht halten durfte. Bei den Türken und Georgiern dauerte diese Prozedur eine Ewigkeit – alle schienen verdächtig. Wir mit unseren EU-Pässen waren raz-faz fertig. An der türkischen Station das gleiche Prozedere – der Grenzbeamte machte zwischendrin den Eindruck immer mal einschlafen zu wollen – seine steife Miene hellte sich jedoch sofort auf, als er unsere Pässe in den Händen hielt – auch hier waren wir mit der Prüfung mindestens um den Faktor 15 schneller als alle anderen.

An der Grenzstation konnten wir unsere restlichen Lari direkt in Lira wechseln – genau 100 von den Dingern bekamen wir für unsere georgischen Restbestände. Unsere Stewardess im Bus hatte uns zuvor gesagt, dass die Fahrt nach Erzurum glatte 100 TL kosten sollte – es war also perfekt. Nur, dass wir für eine so lange Fahrt keine Nahrungsvorräte eingepackt hatten, sollte den Lauf der Dinge noch ein wenig ändern. Die Fahrt und der Bus gefielen uns und die Beschreibung zu Erzurum aus dem Reiseführer nicht wirklich – wir fragten die Stewardess, wie viel denn die Fahrt bis nach Istanbul kosten solle – die verblüffende Antwort war: 100 TL. Typisch deutsch dachten wir uns – wenn hier 24 Stunden Fahrt so viel kosten, wie 6 Stunden – dann nehmen wir doch selbstverständlich mehr Leistung für weniger, oder? Ab nach Istanbul!

An der nächsten Raststätte gönnten wir uns einen Kebab zum Wucherpreis von 10 TL, um den Magen zu beruhigen – nach Adam Ries(e) blieben uns noch 90 TL – wir sollten ja schließlich noch zum Geldautomaten fahren, richtig?!

Nachdem die Reise weiterging, wollte die Gute plötzlich Geld sehen – wir sagten, dass wir ja noch nicht beim Bankomat waren und nicht genug hätten. Sie fragte uns, wie viel wir denn hätten. Wir sagten 90 und sie sagte – OK! Unsere Fahrt ist also plötzlich im Preis gesunken.

Gegen Mittag des nächsten Tages – 24 Stunden nach Abfahrt – trafen wir in Istanbul ein. Wir hatten ein wenig geschlafen – unser Busfahrer hingegen nicht – es gab nur einen! Die Fahrt hat uns ca. 22 Euro pro Person gekostet – für über 1.600 Kilometer – der Bus war ca. 1/4 voll – wir vermuten ein riesen Verlustgeschäft.

ISTANBUL

Geldlos, orientierungslos, hungrig, überhitzt und übermüdet befragten wir das Orakel „Lonely Planet“ vor Ort nach einer passenden Bleibe für die kommenden Nächte. Per Mobiltelefon wurde << Zack >> ein Zimmer gebucht und ab ging die Irrfahrt in Richtung Hotel – mit Gepäck in der Hitze. Geldautomat, Straßenbahn suchen, Geld klein wechseln für Ticketautomaten, Fahrschein lösen, in eine maßlos überfüllte Straßenbahn einsteigen, aussteigen, hilflos überlegen in welche Richtung zu laufen – doch dann die Erlösung. Ein netter Herr sprach uns an und brachte uns direkt bis zum Hotel.

Ab hier ging das normale Touristenprogramm los – Blue Mosque.

sebastian_timmel_istanbul_turkey_1 sebastian_timmel_istanbul_turkey_2 sebastian_timmel_istanbul_turkey_3 sebastian_timmel_istanbul_turkey_4

Versunkener Palast bzw. Cisterna Basilica

sebastian_timmel_istanbul_turkey_5 sebastian_timmel_istanbul_turkey_6

Türkische Süßigkeiten – bei der Wärme war daran nicht zu denken.

sebastian_timmel_istanbul_turkey_7

Ein Besuch auf dem Bazar.

sebastian_timmel_istanbul_turkey_8 sebastian_timmel_istanbul_turkey_9 sebastian_timmel_istanbul_turkey_10 sebastian_timmel_istanbul_turkey_11 sebastian_timmel_istanbul_turkey_12

Open-Air-Picknick der Einheimischen auf dem Sultanahmet Square.

sebastian_timmel_istanbul_turkey_13 sebastian_timmel_istanbul_turkey_14 sebastian_timmel_istanbul_turkey_15

Hagia Sophia

sebastian_timmel_istanbul_turkey_16 sebastian_timmel_istanbul_turkey_17 sebastian_timmel_istanbul_turkey_18 sebastian_timmel_istanbul_turkey_19 sebastian_timmel_istanbul_turkey_20 sebastian_timmel_istanbul_turkey_21Istanbul – eine Stadt voller Geschichte, beeindruckenden Gebäuden – die wahrscheinlich zu jeder Jahreszeit überlaufen ist. Für uns waren die vielen Menschenmassen ungewohnt – das haben wir schon sehr sehr lange nicht mehr erlebt. Von hier aus geht die Reise ins benachbarte Bulgarien – mal gucken, was uns dort so erwartet ;-). Türkei – wir kommen zurück – ein andermal – nicht im Sommer und nicht mit dem Bus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.