Wow – Ruhe auf diesem Blog seit Januar 2016!!! Heute ist der 8. August `18 – wäre dieser Blog mein Logbuch aller Erlebnisse würde das ganz schöne Langeweile bedeuten. So ist es zum Glück aber nicht. Eher eine Pause. Eine lange Pause. Eine Pause ohne Grund. Denke ich. Obwohl es immer Gründe gibt. Doch dazu zu späterem Zeitpunkt sicher mehr.

Heute möchte ich euch von meiner Jungfernfahrt mit meinem Ally Faltkanadier berichten.

Ich kann garnicht mehr genau sagen, warum, aber ich brauchte ein Boot.

Wie so oft im Leben steht man manchmal vor einer Situation, zu welcher man später garnicht mehr genau sagen kann, wie das denn gekommen ist. So auch hier. Vielleicht lag es an Youtube und meiner Watchlist – vorwiegend Abenteurer, die einsam in der Natur umherstreifen und der Sehnsucht dies auch zu tun. Vielleicht lag es an meiner „Herkunft“ – der Mecklenburgischen Seenplatte und der Sehnsucht nach Wasser.

Auf jeden Fall hatte ich das unüberwindliche Bedürfnis ein Boot zu haben. Ein Boot, welches ich einfach transportieren kann und mit welchem ich gemütlich Flüsse und Binnengewässer befahren konnte. Schon meine Kindheit wurde von Faltbooten und dazugehörigen Touren begleitet. Mein Vater und seine Liebe zum RZ85 (Reisezweier 85cm breit) prägten meine Sommer. Er hat zwar die Möglichkeit, es zu falten und einzulagern – tat er aber nicht. Es ist sein Stationärboot für die Befahrung der Mecklenburgischen Seenplatte. In unserer Dresdner Wohnung ist es undenkbar ein komplettes Boot zu lagern – der Transport eines solchen zum Wasser – wo auch immer das ist, würde immer eine Autofahrt bedeuten und genau das wollte ich nicht.

Ich wollte in der Lage sein, notfalls alleine mit dem Boot in die Bahn oder den Bus zu steigen, irgendwo hin zu fahren, das Ding zusammenzubauen und loszulegen. Ich wollte Freiheit.

Gesagt, getan – ein wenig Recherche und klar war – ein Ally Faltkanadier soll es sein. Über dieses Boot schreibe ich sicher nochmal einen separaten Beitrag – doch nun zur Tour.

Gemäß meiner Wünsche und Intentionen gab es bestimmte Anforderungen:

  1. Keine Rundtour
  2. Anreise oder Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln
  3. Solofahrt
  4. Max. 2 Tage Dauer damit es an einem Wochenende machbar ist

Die besten Zutaten für ein kleines Mikroabenteuer auf dem Wasser. Gewählte Tour: S-Bahn in die sächsische Schweiz und die Elbe abwärts nach Dresden.

Am 7. Juli war es soweit – sechs Uhr in der Frühe lief ich los – mit dem Ally, zwei Paddeln, einem wasserdichten kleinen Rucksack, Wasser und ein wenig Verpflegung auf dem Bootswagen zu Fuß einmal quer durch den großen Garten zur S-Bahn nach Strehlen.

Als die Schaffnerin mich und mein Ungetüm sah zeigte ihre Hand nur in Richtung der Fahrradabteile – da wollte ich eh hin ;-). Merke: die Besatzung eines ICE wird über solch einen Anblick sicher nicht erfreut sein, würde es doch eine künstlich herbeigeführte Trennung des Zuges in zwei Teile bedeuten.

Spontan entschied ich mich dazu, die Tour von Königstein zu starten und nicht von Bad Schandau oder Schmilka. Die Elbe führte Niedrigwasser und somit geringe Strömung – zudem gab es stetigen Wind 15km/h aus Nordost (also Gegenwind) und Böen um die 40km/h.

Am Fähranleger suchte ich mir ein kleines Plätzchen, baute das Kanu auf und genoss den Rest des Kaffees aus dem Thermobecher. Ich grüßte den Fährmann, als er die erste?! Überfahrt des Tages machte und stieß in See – quatsch – in den Fluss.

Weit gekommen bin ich nicht – damit habe ich gerechnet. Das Ally ist solo-gepaddelt sehr sehr Windanfällig, da der Bug zu hoch steht und hier Ballast fehlt. In weiser Voraussicht, dass dies passiert, habe ich eine mitgebrachte Ikea-Tüte mit Steinen vollgeladen und im Bug platziert. Im Heck sorgte ein mit Wasser gefüllter Packsack (30l) für zusätzliches Ballast. Mit dieser Kombination war das Spurverhalten ziemlich gut und das Boot war gut unter Kontrolle zu halten.
In Heidenau angekommen, zeigte mein Körper eindeutige Signale von Unterhopfung. Eine Bratwurst und ein Bier halfen hier sehr fürs Seelenwohl. Paddler hatten es elbabwärts an diesem Tage nicht leicht. Ich war froh, von Königstein gestartet zu sein – selbst hier war ich mir unsicher, ob ich die Tour an diesem Tage schaffen würde. Zeitfenster, in welchen mal keine Böen aus entgegengesetzter Richtung wehten waren leider sehr klein, dafür aber umso erholsamer.

Nach einem zweiten, fotografisch nicht dokumentierter Bierstopp in Pillnitz, vielen Stunden Kampfes gegen den Wind und ersten Sonnenbrand-Erscheinungen war es endlich soweit – ich hatte das Blaue Wunder als Wahrzeichen Dresdens quasi als Zieleinfahrt vor mir.

Um 17:25 landete ich hinterm Blauen Wunder an der Altstadtseite Dresdens an und fing an, die Steine zu entladen.

Junge Familien, die dort auf Picknickdecken saßen wunderten sich, ob ich denn irgendwann mal aufhören würde, Steine aus meinem Boot auszuladen und warum ich das überhaupt tat.

So kamen wir ganz nett ins Gespräch und der Abbau ging nicht in Stille vonstatten.

Flink wieder alles verpackt und auf den Bootswagen geschnallt und ab gings zum Bus, welcher mich nach Hause brachte. Ein anstrengender aber sehr erfüllender Tag lag hinter mir.

Die Bilanz:

  • 8 3/4 Paddelstunden
  • 1 Stunde Pause
  • 34 Elbkilometer stromabwärts bei Gegenwind

Mein Fazit:

Solopaddeln bei Gegenwind im Kanadier ist Arbeit. Der Arbeitstag jedoch sehr erfüllend.

Achja – und Handyfotos sind schrecklich….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.